| Unglück im Armenviertel: mehr als 20 Tote |
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23.03.2009. Wie jeden Sonntag gehen wir mit den Straßenkindern zum Gottesdienst in der 3km entfernten Pfarrkirche. Auf dem Nachhauseweg erhalte ich telefonisch die Nachricht, dass eine Ölpipeline im Shell-Viertel der Stadt am frühen Morgen explodiert sei. Es habe mehrere Tote gegeben und es gäbe schreckliche Bilder von verletzten Menschen. Sofort schießt mir durch den Kopf die Frage, ob Jugendliche von uns oder deren Familien betroffen sind. Wir beschließen in das Viertel zufahren, um vor Ort zu helfen. Zuvor drucken wir noch eine Liste der Jugendlichen aus, die sich meistens in diesem Viertel aufhalten. Das Shell-Viertel gehört zu einem unseres größeren Einzugsbereichs und liegt inmitten eines Armenviertels der Hauptstadt Freetown. Viele Kinder und Jugendliche leben dort auf der Straße und verdienen sich ihren Lebensunterhalt damit, illegal abgezapften Treibstoff zu verkaufen. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben von Augenzeugen, als die Polizei mit Tränengas auf eine Menschenmenge feuerte, die Treibstoff aus der leckenden Pipeline abzapfte. Polizisten hätten die Menschen zuvor mehrmals aufgefordert, sich von der Leitung zu entfernen. Die Polizisten seien sich aber der Tragweite des Abschusses von Tränengas nicht bewusst gewesen. Erst am Abend wissen wir, dass von unseren Jugendlichen niemand getötet wurde, jedoch sind einige durch leichtere Verletzungen sowie einige deren Familienmitglieder durch schwerere Verletzungen betroffen. Insgesamt werden derzeit 20 Tote beklagt. Mehr als 200 weitere Personen seien bei dem Unglück verletzt worden, teilten Rettungskräfte gestern mit. Demnach befanden sich mehr als die Hälfte dieser Menschen noch in Lebensgefahr. Die Regierung kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an. |
