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24.05.2009. Immer wieder gestellte Fragen via Kontaktformular im Anschluss an das Online-Interview sollen nun beantwortet werden.
Wie geht’s? Nicht schlecht. Ich freue mich, dass ich gesundheitlich fit bin und anpacken kann. Es geht mir gut. Zu allem Glück kommt hinzu, dass der FC Bayern nicht Meister geworden ist. Welches Fazit ziehst Du nach Deiner Anfangszeit in Sierra Leone? Schwierig. Es gibt viele Eindrücke und auch viele Herausforderungen, persönliche und auch was die Arbeit betrifft. Sierra Leone ist eines der ärmsten Länder der Erde. Das bekommst Du bereits nach dem Aufstehen am Morgen zu sehen und zu hören. Wir in Don Bosco leben und arbeiten direkt mit den Ärmsten der Armen, den Straßenkindern. Das ist manchmal sehr brutal, kindliche Lebensverläufe mit zu erleben, die einen in den Grundfesten erschüttern. Was macht Don Bosco in Freetown genau? Wir sind Träger des größten Straßenkinderprojekts in Sierra Leone mit einer Datenbank von mehr als 1.500 jungen Menschen. In unserer Hauptniederlassung betreuen wir 80 Straßenkinder rund um die Uhr. Ein klassisches Kinderheim, so wie wir es aus Deutschland kennen. Ziel ist die Rückführung des Kindes in die Ursprungsfamilie bzw. Großfamilie oder die Integrierung in eine Pflegefamilie. Kein Kind bleibt länger als 9 Monaten, ein Unterschied zum deutschen Jugendhilfesystem. Ein Kind, egal welches, gehört in eine Familie. Das Kind wird dennoch von uns durch Familienbesuche weiterbetreut bis zum 18. Lebensjahr, um die Nachhaltigkeit des Hilfsangebots abzusichern. Dann haben wir 420 Auszubildende, ehemalige Straßenkinder, in verschiedenen Betrieben in Freetown, die wir 18 Monate lang betreuen und begleiten. Ein Jugendzentrum ermöglicht uns direkt im Stadtteil Jugendsozialarbeit sowie Gemeinwesenarbeit zu leisten. Das Jugendzentrum, das einzige in der Stadt, wird täglich von mehr als 200 Jugendlichen besucht. Hier wird nicht nur gespielt, sondern hier werden auch Menschenrechte thematisiert. Ein Jugendanwalt ist im Beratungsteam und steht den Jugendlichen, besonders den weiblichen, zur Verfügung. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in Don Bosco Freetown? Derzeit sind wir 56, vom Koch bis zum Hausmeister, von der Psychologin bis zum Sozialarbeiter und von der Reinigungskraft bis zum Manager. Welche Rolle spielst Du? Am 10. November 2008 habe ich die Position des Stellvertretenden Leiters übernommen und seit dem 01. Mai 2009 bin ich der kommissarische Leiter. Der Provinzial hat mich nun zum 15. August 2009 zum Leiter ernannt. Zudem soll ich auf der westafrikanischen Provinzebene das Resort „Straßensozialarbeit“ vertreten. Der Generalökonom der Salesianer hat kürzlich in einem Interview gesagt, dass die Finanzkrise nur Europa betreffe. Das habe ich auch mit Verwunderung und zunächst auch Verärgerung gelesen. Dann aber habe ich erfahren, dass hier Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen bzw. verkürzt wieder gegeben wurden, höchstwahrscheinlich liegen auch Übersetzungsfehler vor. Im kommenden Jahr veranstaltet Don Bosco Freetown ein offenes Seminar mit dem Titel: „Sierra Leone. Ein Land inmitten der Finanzkrise und dem Klimawandel“. Dort werden dann sicherlich andere Thesen aufgestellt werden, als die, die manchmal von Europa aus formuliert werden. Welche Perspektiven hat Don Bosco Freetown? Gute. Derzeit sind wir im Gespräch mit der sierra-leonischen Regierung, um ein „Start-up-Business“ für arbeitslose Jugendliche in die Wege zu bringen. Dann planen wir den Aufbau von mehreren personalintensiven Anlaufstellen für Straßenkinder in bekannten städtischen Armutsvierteln, sogenannte „Drop-In-Centern“. An dieser Stelle möchte ich mich besonders bei der Stark-Stiftung innerhalb des deutschen Don Bosco Stiftungszentrums bedanken, die uns ein gutes und sicherlich ein entscheidendes Stück vorangebracht hat. Und Herausforderungen? Viele. Die größte Herausforderung ist die Armut im Land und die daraus resultierenden Nebeneffekten. Aus dieser Kinder- und Jugendnot heraus ergeben sich derzeit für uns einige Handlungsbedarfe. An erster Stelle steht die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Don Bosco Freetown ist auch eine der wenigen Ausbildungsstellen für soziale Berufe in Sierra Leone. Derzeit haben wir für drei Monaten 7 Sozialarbeiter-Studenten im Programm. Die fordern uns täglich heraus, professionelle Arbeit zu leisten. Schließlich wollen wir ja ein gutes Vorbild sein. Es sind Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die Einstellungen und Verhalten von Menschen prägen und ändern können. An zweiter Stelle stehen derzeit wichtige Gespräche sowie die Erstellung von diversen Konzepten. Das verlangt Konzentration und manchmal auch viel, viel Ausdauer und Geduld. An dritter Stelle stehen der Aufbau einer Stiftung sowie ein gutes Fundraising, damit wir bis spätestens 2015 unabhängig von Spendenorganisationen sind und bessere Planungssicherheit haben. |